Spam-Report: GMX und WEB.DE registrieren weniger Spam – aber neue Gefahren

Das Spam-Aufkommen bei GMX und WEB.DE hat sich im ersten Halbjahr 2026 nahezu halbiert: von rund 1,8 Milliarden auf rund 990 Millionen verdächtige Mails pro Woche. Grund dafür sind mehrstufige Filter und verbindliche Authentifizierungsstandards, die Massen-Spam für Kriminelle unrentabel machen. Doch die Anbieter geben keine Entwarnung.
Spam-Mails werden durch KI zunehmend gefährlicher. (c) GMX
Spam-Mails werden durch KI zunehmend gefährlicher. (c) GMX

Präzise auf die Empfänger zugeschnittene Phishing-Angriffe, durch KI täuschend echt in Text und Design, bilden ein neues Bedrohungsszenario. Die Entwicklung des weltweiten Spam-Aufkommens zeigte während der letzten Jahre in eine einzige Richtung: nach oben. Allein bei GMX und WEB.DE stieg die Zahl der erkannten Schad-Mails zwischen 2021 und Ende 2024 um rund 146 Prozent. Seit Sommer 2025 kehrt sich dieser Trend um: Das Spam-Volumen sinkt aktuell kontinuierlich.
„Dass das Spam-Volumen zum ersten Mal seit Jahren deutlich zurückgeht, ist ein Erfolg konsequenter Investitionen in Sicherheit, bei uns wie in der gesamten Branche. Wer jetzt allerdings nachlässt, verspielt diesen Vorsprung. Digitale Sicherheit ist kein zeitlich begrenztes Projekt, sondern eine Daueraufgabe“, sagt Arne Allisat, Leiter für E-Mail-Sicherheit bei GMX und WEB.DE.

Hohe Präzision statt großer Masse

Der Rückgang bedeutet allerdings nicht, dass die Angreifer aufgeben. An die Stelle millionenfach versendeter, identischer Spam-Mails treten gezielte, persönlich zugeschnittene Angriffe: gefälschte Rechnungen mit individuellem Namen, Betrug mit QR-Codes, die Übernahme bestehender Accounts oder der gezielte Betrug an Beschäftigten von Unternehmen. Inhalte und Layout sind oft mit modernen Text- und Bild-KIs gestaltet und in fehlerfreiem Deutsch verfasst. Solche Spam- und Phishing-Mails treten seltener auf, sind aber deutlich schwerer zu erkennen. Gleichzeitig verlagert sich ein Teil der Angriffe aus dem E-Mail-Postfach heraus auf andere Kanäle wie SMS, Messenger-Dienste und soziale Netzwerke.

Warum sich Massen-Spam nicht mehr lohnt

Hinter dem Rückgang steht eine veränderte wirtschaftliche Basis beim Spam-Versand: Mehrstufige Filtersysteme und industrieweite Authentifizierungsstandards wie DKIM und DMARC oder DNSSEC, auf die sich große Anbieter weltweit verpflichtet haben, machen es Kriminellen heute deutlich schwerer, große Mengen Spam erfolgreich zuzustellen. 
„Wir haben Massen-Spam für Kriminelle schlicht unrentabel gemacht; das wahllose Verschicken von Millionen Mails lohnt sich für sie nicht mehr. Stattdessen setzen die Angreifer heute auf Klasse statt Masse. Die gefährlichste Nachricht ist nicht mehr die eine unter Millionen, die man versehentlich klickt; sondern die, die genau auf ihren Empfänger zugeschnitten ist. Und genau darauf müssen sich sowohl die Anbieter als auch die Nutzerinnen und Nutzer einstellen“, erläutert Arne Allisat.

 

Worauf Nutzerinnen und Nutzer jetzt achten sollten

GMX und WEB.DE raten dazu, auch bei vermeintlich vertrauenswürdigen Absendern und sehr passgenauen Inhalten wachsam zu bleiben:
  • Unerwartete Rechnungen, Zahlungsaufforderungen und QR-Codes kritisch prüfen, besonders wenn sie persönlich adressiert sind und zur Eile drängen.
  • Links in E-Mails nicht unbedacht öffnen; im Zweifel die Seite des Absenders direkt im Browser aufrufen.
  • Das E-Mail-Postfach als Schlüssel zur digitalen Identität mit einem starken, einmaligen Passwort und Zwei-Faktor-Authentifizierung absichern.
 
Über die Daten
Die Auswertung beruht auf anonymisierten Plattformdaten von GMX und WEB.DE. Verglichen wurde das durchschnittliche wöchentliche Aufkommen der als Spam klassifizierten E-Mails im Zeitraum 1. Januar bis 10. Juni 2026 mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum (1. Januar bis 10. Juni 2025). Im Vergleichszeitraum 2025 wurden durchschnittlich rund 1,8 Milliarden verdächtige Nachrichten pro Woche erkannt und gefiltert, 2026 rund 990 Millionen – ein Rückgang um rund 45 Prozent.

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