„E-Mail-Postfach ist Herzstück der digitalen Kommunikation und Identifikation“

2016 hat die E-Mail in Deutschland einen neuen Rekord aufgestellt. Jan Oetjen, Chef der beiden größten deutschen E-Mail-Anbieter GMX und WEB.DE, spricht im Interview über die Gründe für den Boom, die Zukunft der E-Mail und den Kampf gegen Spam.

13. Februar 2017 von Martin Wilhelm

Jan Oetjen spricht im Interview über die Zukunft der E-Mail. © GMX / WEB.DE

Mit dem Start sozialer Netzwerke prophezeiten viele Experten der E-Mail ihren Untergang. Nun sollen gerade diese den E-Mail-Boom mit auslösen. Wieso?

Ob Freunde neue Bilder veröffentlichen, eine Freundschaftsanfrage eingeht oder man sich selbst lange nicht mehr in das soziale Netzwerk eingeloggt hat – über jede Veränderung wird eine Information per E-Mail versendet. Doch nicht nur soziale Netzwerke befeuern die E-Mail-Nutzung, auch die großen E-Commerce-Anbieter setzen stark auf die E-Mail: Durch eine Info per Mail ist der Besteller  jederzeit über den Stand seines Online-Einkaufs informiert, bekommt nach dem Kauf in der Regel nicht mehr nur einen Standard-Newsletter, sondern zunehmend speziell auf sein Kauf- und Suchverhalten zusammengestellte Angebote und Gutscheine. Aber auch andere Unternehmen wie Versicherungen und Autohersteller haben die E-Mail als Direktkanal zum Kunden für sich entdeckt. Im E-Mail-Postfach läuft somit ein großer Teil der relevanten Informationen aus der digitalen Welt an einem zentralen Ort zusammen. Zudem ist die E-Mail-Adresse bei so gut wie allen digitalen Diensten mit Registrierung als Nutzername hinterlegt – damit ist sie nach wie vor das Herzstück der digitalen Kommunikation und Identifikation.

Wie wird sich die E-Mail weiterentwickeln?

Ein weiterer Treiber für die E-Mail ist der anhaltende Trend zur Digitalisierung der Geschäftskommunikation. Viele Geschäftsprozesse stehen aktuell erst am Anfang der Digitalisierung. Während die E-Mail in der privaten Kommunikation den papiergebunden Brief weitgehend ersetzt hat, gibt es in der Geschäftswelt noch enormes Potential: Experten schätzen, dass 80 Prozent des Briefverkehrs digital abgewickelt werden kann. Mit der europaweit geltenden eIDAS Verordnung ist im vergangenen Jahr der Grundstein dafür gelegt worden, dass dies auch rechtsverbindlich geschehen kann. Schon für 2017 erwarten wir mit einem E-Mail-Plus von 17 Prozent einen weiteren Anstieg.

Gefährden Spam und Phishing dabei nicht langfristig den Erfolg der E-Mail?

Der Kampf gegen Spam und Phishing ist eine Art digitales Wettrüsten. Deswegen beschäftigen wir ein eigenes Team, das unsere Spam-Filter permanent weiterentwickelt und auch gemeinsam mit anderen Anbietern immer wieder Wege findet, Internet-Nutzer erfolgreich zu schützen. Weit über 100 Millionen Spam-Mails werden so täglich alleine bei GMX und WEB.DE entschärft. Hervorzuheben ist hier auch  die Initiative „Trusted Dialog“: Mit diesem E-Mail-Siegel können Empfänger Spam von echten Mails bereits auf den ersten Blick unterscheiden.

Kategorie: Mail

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