Zwei Jahre DSGVO: 63 Prozent der Deutschen genervt von Cookie-Hinweisen

Zwei Jahre nach ihrem Inkrafttreten am 25. Mai 2018 sorgt die europäische Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) für Frust bei Internetnutzern in Deutschland: Rund zwei Drittel (63%) der Deutschen fühlen sich durch wiederkehrende Cookie-Hinweise auf Webseiten beim Surfen im Internet genervt oder eingeschränkt. 41 Prozent lesen sich die Hinweise nicht durch und klicken einfach auf „Okay“ oder „Cookies akzeptieren“.

23. Mai 2020 von Christian Friemel

Am 25. Mai 2018 trat die europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft. (c) Shutterstock

Jeder Dritte (33%) wünscht sich eine Alternative zur Cookie-Praxis. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Deutschlands größten E-Mail-Anbietern GMX und WEB.DE.

„Seit Inkrafttreten der DSGVO sind Cookie-Hinweise inflationär geworden, was an zwei Dingen liegt. Zum einen werden die Einwilligungen zu Cookies wiederum auch in Cookies gespeichert. Somit muss der Nutzer auf jeder Webseite immer wieder dieselben Fragen beantworten. Da von einigen Browsern sogar die Cookies, die die Einwilligung speichern, gelöscht werden, kommt die Abfrage ständig wieder. Zum anderen hat die DSGVO keine Unterscheidung gemacht zwischen dem bloßen Speichern von Cookies und der Weitergabe von sehr sensiblen Informationen wie Daten zur Gesichtserkennung, persönlichen Finanzen oder Gesundheitszustand. Dadurch steuert Europa in eine Klick-Müdigkeit, denn wer jede Woche dutzende Male nach Einwilligungen für eher unkritische Daten gefragt wird, verliert schnell den Überblick“, sagt Jan Oetjen, Geschäftsführer von GMX und WEB.DE.

Mehrheit ist cookie-müde

Die Klick-Müdigkeit der Nutzer zeigt sich am konkreten Umgang mit den Cookie-Hinweisen: Lediglich 16 Prozent lesen sie durch, bevor sie bestätigen und weiter auf der Webseite surfen. Aktives Cookie-Management betreibt nur jeder Vierte: 23 Prozent der Befragten rufen beim Besuch einer Webseite die Einstellungen auf und treffen eine Auswahl der Cookies, die sie akzeptieren möchten. Beim Löschen der einmal gesetzten Cookies verlassen sich viele auf Automatismen: 43 Prozent geben an, die Daten selten oder nie manuell zu löschen, sondern stattdessen dem Browser den Umgang mit Cookies zu überlassen.  

Mehr Transparenz und Alternativen zur Cookie-Praxis

Als Verbesserungsbedarf nennen die Nutzer vor allem mehr Transparenz, welche Daten genau erhoben werden (39%). Ein Drittel der Befragten (31%) wünscht sich mehr Einfachheit und Verständlichkeit bei den Hinweisen zum Datenschutz. Ein weiteres Drittel (33%) möchte von der Internet-Industrie eine Alternative zur Cookie-Praxis: Einen zentralen Dienst zur Speicherung von Cookie- und Datennutzungseinstellungen zum Beispiel fände die Mehrheit der Befragten (61%) hilfreich (34% hilfreich und sogar 27% sehr hilfreich). Damit entfiele das nervige Einholen von Einwilligungen via Cookie auf jeder einzelnen Seite.

Die detaillierten Umfrageergebnisse finden Sie hier:

Zur Methode:

Umfrage durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland GmbH im Zeitraum vom 15. bis 18. Mai 2020. Befragt wurden 2045 deutsche Internetnutzer ab 18 Jahren. Die Ergebnisse sind gewichtet und repräsentativ für die deutsche Gesamtbevölkerung.

Kategorien: Mail, News, Sicherheit

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